Geschichte Helsinkis – Von der Gründung zur Unabhängigkeit

Helsinki

Anlässlich des Jubiläumsjahres 2017 zur hundertjährigen Unabhängigkeit Finnlands gibt es hier einen kleinen Auffrischungskurs zur Geschichte der Stadt Helsinki. 🙂
Wie der Reste des Landes hat auch die finnische Hauptstadt eine turbulente Geschichte zwischen den beiden Großmächten Schweden und Russland hinter sich. Nicht von ungefähr wird die Metropohle an der Ostsee oft als eine Stadt zwischen West und Ost beschrieben. Sowohl die Schweden als auch die Russen haben über die Jahrhunderte ihr Spuren in der finnischen Kultur hinterlassen, die zum Teil noch heute sichtbar sind.

Teil 1: Die 10 wichtigsten Daten seit der Gründung Helsinkis bis zur Unabhängigkeit Finnlands.

I. Gründung am 12. Juni 1550
Der 12. Juni ist wohl jedem Helsinki-Fan ein Begriff. An diesem Tag wurde die Stadt 1550 an der Mündung des Flusses Vantaa im heutigen Stadtteil Arabiaranta gegründet, und zwar von dem schwedischen König Gustav Vasa. Finnland war von 1284 bis 1809 Teil des Schwedischen Reiches und mit der Gründung Helsinkis wollte man wirtschaftlich mit dem aufstrebenden Tallinn (damals Reval) mithalten. Mit vielen Veranstaltungen zum Mitmachen, bunten Vorführungen und viel Musik wird jedes Jahr am 12. Juni der Helsinki Tag (Helsinki Päivä) gefeiert:

Helsinki
© Lauri Rotko/ Visit Helsinki

II. 1640 Umsiedelung
Im Jahr 1640 wurde Helsinki nach Virunniemi, dem heutigen Kruununhaka, umgesiedelt. Dieses Gebiet, dessen Name wohl den Wenigsten etwas sagt, zählt noch heute zu den bekanntesten Orten Helsinkis, denn hier liegen Dom und Senatsplatz. Die Gründe für die Umsiedelung waren erneut wirtschaftlicher Natur, man wollte an das offene Meer, um auch mit großen Segelschiffen Handel betreiben zu können.

III. Der Nordische Krieg (1700 – 1721)
1713 brannte die eigene Armee das von Pest und Hungersnot gebeutelte Helsinki nieder, um zu verhindern, dass es von den Feinden für eigene Zwecke missbraucht wurde. Genutzt hat es nicht viel, bis zum Ende des Krieges wurde Helsinki von den russischen Truppen besetzt. Anschließend baute man die Stadt nach den alten Plänen wieder auf.

IV. Suomenlinna
In den Jahren 1742 und 1743 wurde Helsinki erneut von russischen Truppen besetzt. Als Konsequenz aus den vielen Belagerungen wurde die schwedische Seefestung Sveaborg (“Schwedenburg”) errichtet. Auf finnisch hieß die Festung zunächst Viapori wurden dann aber später in Suomenlinna (“Finnenburg”) umbenannt. Der Bau hatte zwar einen guten wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, einen großen militärischen Vorteil lieferte die Festung allerdings nicht, da sie nach 1808 in russischer Hand war. Heute ist Suomenlinna Teil des UNESCO Weltkulturerbes und eine der Top-Sehenswürdigkeiten.

Helsinki
© Nina Müller-Plückthun

V. Der Russisch-Schwedische Krieg (1808 – 1809)
Schweden verlor den Russisch-Schwedischen Krieg und musste Finnland 1809 an Russland abgeben. Zar Alexander I. wurde daraufhin Großherzog von Finnland, ließ das Land aber als weitgehend autonomes Fürstentum regieren.

VI. Helsinki wird Hauptstadt
Bisher war Turku an der finnischen Westküste die Landeshauptstadt, doch nun wollte Alexander I., dass die finnische Hauptstadt näher an St. Petersburg heranrückte. Positiver Nebeneffekt: Auch die Entfernung zu Schweden wurde dadurch größer. Am 8. April 1812 wurde Helsinki offiziell zur finnischen Hauptstadt deklariert.

VII. Neugestaltung der Innenstadt ab 1820
Der deutsche Architekt Carl Ludvig Engel sollte dem Zentrum von Helsinki zu einem repräsentativen Aussehen verhelfen. Der Dom und die klassizistischen Gebäude rund um den Senatsplatz prägen das Stadtbild Helsinkis noch heute. Auch der Dom zeigt den Einfluss des Russischen Kaiserreiches, denn Engel plante ihn nach dem Vorbild der Kathedrale von Kazan in St. Petersburg.

Helsinki
© Nina Müller-Plückthun (Die Gebäude um den Senatsplatz und der Dom sind die bekanntesten Bespiele für Engels Schaffen)

VIII. Gründung der Universität Helsinki
Nachdem ein Brand 1827 die Universität Turku, übrigens zu diesem Zeitpunkt Finnlands einzige Universität, zerstört hatte, wurde sie nach Helsinki verlegt. Damit wurde 1828 die Universität Helsinki gegründet. Fortan entwickelte sich die Stadt auch zu einem Bildungs- und Kulturzentrum.

IX. Bis zur Jahrhundertwende
Bis zur Jahrhundertwende erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung, hatte die Stadt 1830 gerade einmal 11.000 Einwohner, so waren es um 1900 herum bereits 93.600. War Helsinki bis dahin vor allem von Finnlandschweden besiedelt, zog es jetzt immer mehr finnischsprechende Menschen vom Land in die Hauptstadt. In Folge dessen entwickelte sich Schwedisch zu einer Minderheitensprache, die nur noch von den Eliten gesprochen und gepflegt wurde. Die finnische Sprache gewann dagegen immer mehr an Bedeutung. Der Erste, der mit seiner Literatur in finnischer Sprache Erfolg hatte, war der Nationaldichter Alexis Kivi, zuvor galt Schwedisch als Sprache der Literatur. Wie so oft fanden seine Werke allerding erst nach seinem Tod große Beachtung.

Helsinki
© Nina Müller-Plückthun (Statue von Aleksis Kivi vor dem Finnischen Nationaltheater)

X. Unabhängigkeit
Mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 6. Dezember 1917 wurde Finnland zu einer unabhängigen Republik mit Helsinki als Hauptstadt.

Soviel zum ersten Teil der Geschichte Helsinkis; der zweite, Geschichte Helsinkis – Von der Unabhänigkeit bis in die Gegenwart, folgt 🙂

Titelbild: © Jussi Hellsten/ Visit Helsinki

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